
Tübke im Dialog | Angelika und Albrecht Tübke | Ausstellung
Tübke im Dialog | Galerie in der Westarkade
Mit einer begleitenden Präsentation von Arbeiten Werner Tübkes im Schlosscafé
Mit der Ausstellung präsentieren wir Ihnen die Werke zweier eigenständiger Künstlerpersönlichkeiten: Angelika und Albrecht Tübke. Im Mittelpunkt stehen Angelika Tübkes Aquarelle, Gemälde und Zeichnungen sowie die Malerei ihres Sohnes Albrecht. Die Schau lädt dazu ein, ihre unterschiedlichen Sichtweisen auf Natur, Mensch und Umwelt zu entdecken.
Über den gemeinsamen Namen hinaus ist ihnen der Anspruch zur außergewöhnlichen künstlerischen und maltechnischen Brillanz gemein. Ihre Sicherheit im Zeichnerischen und der souveräne Umgang mit Farbe und Komposition ermöglichen sehr persönliche Annäherungen an die Wirklichkeit. Die Ausstellung lenkt dabei den Blick besonders auf Angelika und Albrecht Tübke, deren eigenständige Bildwelten eine nähere Entdeckung verdienen.
Angelika Tübkes Arbeiten zeigen eine große Spannweite der Beobachtung. Knorrige Kopfweiden werden mit jeder Verästelung und den Spuren ihrer gewachsenen Rinde erfasst; im Wiesenweg öffnet sich eine ruhige Landschaft unter einem weiten Himmel. Die Wolkenlandschaft lebt vom Wechsel zwischen dunklen Wolkenmassen und hervorbrechendem Licht. Architekturstudien wie Basilika II verbinden genaue räumliche Anschauung mit feiner malerischer Abstufung. Eine verwandte Aufmerksamkeit gilt dem Menschen: In den Grafitporträts Slowakin und Slowakin II sowie dem Ölbildnis Anne werden individuelle Züge, Haltung und Ausdruck mit großer Sensibilität sichtbar.
Zu dieser Nähe zum Sichtbaren tritt ein Gespür für dessen Fremdheit und Verletzlichkeit. Ein Igel erhält durch seine ungewöhnliche Haltung etwas Irritierendes; der knollig verwachsene Kohlrabi wirkt beinahe wie ein eigenwilliges Wesen. Der nackte Spatz erscheint schutzlos vor einem dunklen Bildgrund. Die Genauigkeit der Darstellung verleiht diesen Motiven eine Eindringlichkeit, die über die Naturstudie hinausführt. In den beiden 9/11-Blättern und der Welt in Flammen erweitert sich dieser Blick zu Bildern existenzieller Bedrohung. Rauch, Feuer und die verletzliche Erde machen die Erschütterung einer vermeintlich vertrauten Ordnung spürbar. Das Aquarell gewinnt hier eine ungewöhnliche Dichte und dramatische Kraft.
Auch Albrecht Tübke richtet seine Aufmerksamkeit auf die Erscheinungen der Natur. Ein schillernder Rosenkäfer, eine Eule, Frösche, farbenprächtige Vögel und einzelne Blüten treten uns mit einer Präsenz entgegen, die an Porträts denken lässt. Feinste Strukturen des Gefieders, der Blütenblätter oder eines Insektenkörpers werden zum Gegenstand konzentrierter Malerei. Zugleich löst er seine Motive häufig aus ihrem natürlichen Umfeld. Vor leuchtend roten, blauen oder warmen ockerfarbenen Gründen erhalten sie einen eigenen Bildraum, in dem Farbe und Kontur ihre Wirkung besonders entfalten.
Seine Irisdarstellungen und die Pfingstrose verbinden botanische Genauigkeit mit einer bewussten Inszenierung: Insekten umspielen die Blüten, ein kleiner Frosch sitzt zwischen den Blättern, ferne Hügel bilden einen niedrigen Horizont. In den Hommagen an Joris Hoefnagel werden Pflanzen, Insekten, Früchte und Muscheln zu sorgsam geordneten Zusammenstellungen. Auf kleinen Holztafeln entfaltet sich eine Vielfalt der Formen, die zum wiederholten Hinsehen verleitet. Die Öl- und Mischtechniken erlauben eine große Farbtiefe und stoffliche Präzision. Aufwendig gestaltete Rahmungen unterstreichen den kostbaren Charakter dieser Bilder und tragen zu ihrer besonderen Gegenwart bei.
- Albrecht Tübke – Alice 25 x 39, 2026
- Albrecht Tübke – Hommage an Joris Hoefnagel (I) 16x21cm, Mischtechnik auf Holz, 2018
- Albrecht Tübke -Pfingstrose, 45 x 52
- Albrecht Tübke – Iris 2022, 34 x 19 m Schatten Kopie 3
- Angelika Tübke – 911 grau -Aquarell, 24,3 x 34,3 cm, 2002
- Angelika Tübke – Igel -Aquarell, 33,8×24,5cm, 1986
- Angelika Tübke – Kohlrabi -Aquarell, 33,8×24,5cm, 1986
- Angelika Tübke – Spatz -Aquarell, 15 x11,5 cm, 2020
Ausgewählte Arbeiten auf Papier Werner Tübkes ergänzen die Hauptausstellung. Sie werden voraussichtlich im Café des Schlösschens in der gegenüberliegenden Arkade präsentiert. Harlekine, Narren und ein Liebespaar begegnen Landschafts- und Architekturmotiven. Historische Gewänder und bühnenhafte Anordnungen führen in eine oft rätselhafte Vorstellungswelt und erweitern den Dialog um eine weitere Form künstlerischer Wirklichkeitsdeutung.
Gerade die Nähe mancher Motive macht die Unterschiede zwischen den Positionen erfahrbar. Ein Tier kann als verletzliches Gegenüber erscheinen, als farbiges Kleinod oder als Teil einer bildhaften Erzählung. Vergleichbares handwerkliches Können führt zu unterschiedlichen Entscheidungen darüber, was hervorgehoben, verdichtet oder verwandelt wird. Die familiäre Verbindung bildet den biografischen Hintergrund für eigenständige Lebens- und Werkwege. Die erstmalige Zusammenführung dieser Auswahl versteht sich als Experiment, das persönliche Wahrnehmung und künstlerische Freiheit im Vergleich sichtbar macht.
Wir laden Sie herzlich ein, diese Begegnung vom 26. Februar bis zum 21. März 2027 in der Westarkade des Gohliser Schlösschens zu entdecken. Auch während der Leipziger Buchmesse freuen wir uns auf Ihren Besuch!
Die Ausstellung wird durch die Kooperation der Gohliser Schlösschen – Musenhof am Rosental gGmbH und der Galerie Koenitz ermöglicht.
AUSSTELLUNGSZEITRAUM
Westarkade
26.02. – 21.03.2027
Mittwoch – Freitag
14:00 – 18:00 Uhr
Samstag – Sonntag
12:00 – 18:00 Uhr
Partner
Die Planung und Durchführung der Ausstellung
erfolgt in enger Zusammenarbeit zwischen der Gohliser Schlösschen | Musenhof am Rosental gGmbH und der Galerie Koenitz Leipzig.
Förderer
Die gemeinnützige Betreibergesellschaft Gohliser Schlösschen | Musenhof am Rosental
wird gefördert von der Stadt Leipzig.











