
„Musik unvergessen“ | Ein Konzert anlässlich der Stolpersteinverlegung
„Musik unvergessen“ | Ein Konzert anlässlich der Stolpersteinverlegung
In Gedenken an den ermordeten jüdischen Leipziger Komponisten Erich Liebermann–Rosswiese
Anlässlich der Stolpersteinlegung für Erich Liebermann-Rosswiese geben Samuel Klemke (Gitarre) und Alexandra Bentz (Gesang) ein Konzert, um das Leben des Komponisten und MDR-Mitarbeiters, das durch das NS-Regime jäh beendet wurde, zu ehren. Es beleuchtet sein Schaffen und die Lücke, die sein erzwungenes Schweigen hinterließ. Dr. Allmuth Behrendt gibt eine Einleitung zu seiner Person.
Auf dem Programm stehen neben Werken von Erich Liebermann-Roßwiese auch Kompositionen weiterer vergessener und wiederentdeckter Leipziger Musiker wie Samuel Jadassohn und Wilhelm Rettich (Nach Texten von Ricarda Huch). Zur Einleitung klingt ein Gitarrenwerk des Komponisten Mario Castelnuovo-Tedesco, der wegen seiner jüdischen Abstammung 1939 aus Italien in die USA emigrierte. Abgerundet wird das Programm mit weiteren Werken aus anderen Epochen im jüdischen Kontext, wie z.B. Gustav Mahlers „Ich bin der Welt abhanden gekommen“.
Der Stolperstein wird am 17. Juni 2025 am Floßplatz 26 im Zuge der Jüdischen Woche in Leipzig verlegt. Sie sind herzlich eingeladen.
Erich Liebermann-Roßwiese
Geboren als Sohn eines Rittergutsbesitzers, erhielt er früh Klavierunterricht und studierte Musik in Berlin und München. Nach seiner Heirat zog er 1914 nach Leipzig, wo er als Pianist auftrat, ein eigenes Trio gründete und als Lehrer sowie Komponist wirkte.
Ab 1921 war er Redakteur der Philharmonischen Konzerte Leipzig und prägte ab 1928 maßgeblich die Programmgestaltung der Mitteldeutschen Rundfunk AG. Er leitete dort die Schallplatten- und später die Konzertabteilung.
Trotz evangelischer Taufe galt er ab 1933 aufgrund seiner jüdischen Herkunft als Jude und verlor seine berufliche Stellung. Fluchtversuche ins Ausland scheiterten. Um seine Familie zu schützen, ließ er sich 1938 zum Schein scheiden.
Am 21. Januar 1942 wurde er mit dem ersten Leipziger Deportationszug nach Riga verschleppt und noch im selben Jahr ermordet.
Besetzung
Alexandra Bentz | Gesang
Samuel T. Klemke | Gitarre
Dr. Allmuth Behrendt | Einleitung
Biografie
Alexandra Bentz ist in Frankfurt am Main geboren und aufgewachsen, von Beruf ist sie diplomierte und gemasterte Opernsängerin und Schauspielerin.
Sie war und ist in über 43 Rollen an den verschiedensten Bühnen im In- und Ausland engagiert. Sie trat bei Maskénada Luxemburg in Schnitzlers Anatol auf oder bei den Karl-May-Festspielen als die große Liebe von Winnetou „Ribanna“, sie moderierte im Schweizer Fernsehen Gewinnshows, spielte die Sekretärin Renners in ein „Fall für zwei“ und die Frau von Roberto Blanco in dem Theaterstück „Der Mustergatte“ und ist außerdem gerne in China auf Tournee um dort chinesische Lieder zu singen. Wie ein Online Medium schrieb: Eine Stimme für alle Fälle.
Mit ihren Ensembles „Gesher Ensemble Frankfurt“ und dem Kammermusik-Duo mit Konzert-Gitarrist Samuel T. Klemke ist sie „klassisch“ tätig, frönt dem internationalem Liedgut und setzt sich gegen das Vergessen und für jüdisches Leben in Deutschland ein. Sie ist außerdem aktives Mitglied des luxemburgischen Künstlerkollektivs Maskénada.
https://www.alexandra-bentz.de/
Samuel T. Klemke entstammt einer Musikerfamilie in 4. Generation. Seit früher Kindheit erlernte er das Gitarrenspiel zunächst beim Vater Tobias Klemke, später an der HfM Franz Liszt Weimar bei Prof. Monika Rost und Prof. Thomas Müller-Pering. Neben dem künstlerischen Diplom erlangte er dort zwei weitere Abschlüsse – das Konzertexamen als Solist und ein weiteres Konzertexamen Kammermusik. Im Guitar Duo Klemke tritt er seit vielen Jahren mit seiner Schwester Laura erfolgreich zusammen auf. Viele Meisterkurse bei den namhaften Gitarristen wie Pepe Romero, David Russell, Manuel Barrueco, Dale Kavanagh, Roland Dyens und anderen formten seine künstlerische Persönlichkeit. So konnte er weltweit nicht nur in zahlreichen erfolgreichen Wettbewerben auf sich aufmerksam machen, sondern ist derzeit als freischaffender Musiker erfolgreich und reist für Konzerte, Meisterkurse, Seminare, Festivals und als Wettbewerbsjuror um die ganze Welt.
Sein Repertoire ist weit gefächert und reicht von früher Renaissance-Musik bis zu neuester Musik. Insbesondere seine Interpretationen Neuer Musik sind hervorzuheben, sowie sein „Ensemble Marges“, das sich bei der Aufführung von Werken junger Komponisten einen Namen machen konnte. Auch anderen Projekten ist er nicht abgeneigt, so hat er schon mit verschiedenen Sängern und Instrumentalisten Kammermusik gemacht oder in Projekten mit E-Gitarre oder Liedermachern mitwirkt. Zahlreiche CD- und Video-Produktionen zeugen von seiner aktiven künstlerischen Tätigkeit. Daneben hat er auch Musik für Filme, Installationen und Videospiele erschaffen.
2015 gründete er das Global Guitar Institute, mit dem er derzeit im Asiatischen Raum sehr aktiv an der Entwicklung der Gitarristenausbildung beteiligt ist.
Karten
Eintritt frei, um Anmeldung wird gebeten.
formlos per Mail unter veranstaltungen@erich-zeigner-haus-ev.de
Jüdische Woche in Leipzig
Leipzig feiert vom 15. Juni bis 22. Juni 2025 die 16. Jüdische Woche, die alle zwei Jahre vom Kulturamt der Stadt Leipzig gemeinsam mit dem Kultur- und Begegnungszentrum Ariowitsch-Haus e. V. ausgerichtet wird.
Bei mehr als 100 Veranstaltungen können die Besucherinnen und Besucher die Vielfalt jüdischer Kunst und Kultur erleben. Am Programm beteiligt sind mehr als 60 Institutionen und Vereine in der Stadt. Das Kultur- und Begegnungszentrum Ariowitsch-Haus ist wieder Mittelpunkt zahlreicher Begegnungen und zeigt, dass die jüdische Gemeinde zu Leipzig auch gegenwärtig präsent und voller Leben ist. Leipzig beheimatet heute nach Berlin die größte jüdische Gemeinde Ostdeutschlands.
Das Gesamtprogramm zum Fest können Sie sich unter diesem Link herunterladen >>>.

